Was ist Flow?

Flow ist ein Zustand höchster Konzentration auf eine Aufgabe. Fast so, als wenn du in einer Blase sitzen würdest. Nimmst du die Dinge um dich herum, nicht mehr richtig wahr. Sie werden zum Hintergrundrauschen, so wird Zeit und Raum relativ. So können sich Momente wie Stunden anfühlen oder Stunden in Bruchteilen einer Sekunde vergehen.

Im Flow bist du „im Fluss“ – eine Entscheidung führt zur nächsten, die sofort ausgeführt wird. Alles passiert in rasender Geschwindigkeit und mit einer Leichtigkeit, ohne viel darüber nachzudenken, fast schon automatisch. Du gehst restlos in der Tätigkeit auf, vergisst zu essen und bist wie in einem Rausch.

„Flow is an optimal state of consciousness, a peak state where we both feel our best and perform our best.“ Steven Kotler, Founder of the Flow Genome Project

Als hättest du den Turbogang eingeschaltet, läufst du zu körperlichen und mentalen Höchstleistungen auf. Im Flow-Zustand ist dein Geist ganz ruhig und klar, alles passiert fließend. Jede Situation und Aufgabe meisterst du mühelos und wächst über dich hinaus. Noch dazu fühlst du dich großartig und erfüllt.

Wo findest du Flow?

Jeder Mensch kann Flow erleben

Wahrscheinlich warst du schon unzählige Male in Flow, ohne dir darüber bewusst zu sein. Und ganz sicher warst du es in deiner Kindheit. Denn spielende Kinder habe die wundervolle Gabe vollkommen in dem aufzugehen, was sie gerade tun. Dabei vergessen sie alles um sich herum und befinden sich in einem glückseligen Zustand. Dann sind sie ganz bei sich.

Aber soweit müssen wir wahrscheinlich gar nicht zurückgehen, um einen Flow-Moment in deinem Leben zu finden. Wann bist du das letzte Mal an deine Grenzen gestoßen, egal ob körperlich oder mental. Und hast es trotzdem gemacht. Bist gesprungen. Hast es gewagt. Und hast es gerockt.

  • Als du beim Basketball doch zum Korb gezogen bist und in einer krassen Drehbewegung den Ball versenkt hast.
  • Als du den netten Typen an der Kasse angesprochen hast, obwohl du eigentlich schüchtern bist.
  • Als du ein Projekt übernommen hast, wo du am Anfang keine Ahnung hattest, wie du das Schaffen sollst und dann hast du es einfach gemacht.
  • Als du mit dem Mountainbike den Abhang runter gerast bist und alles in Zeitlupe erlebt hast. Jeden Stock. Jeden Stein. Das Licht im Wald. Die Euphorie.

Flow im Abenteuer- und Extrem-Sport

Womit wir bei der Königsdisziplin des Flow sind. Keine andere Tätigkeit versetzt dich so schnell in Flow wie der Extremsport. Wenn du ständig deine Grenzen überschreitest und dabei alles riskierst, hast du nur eine Chance: Flow oder Schmerzen.

No risk, no fun.

In keiner anderen Sportart hat es in den letzten beiden Jahrzehnten so viele neue Rekorde gegeben, wie im Extremsport. Schier unmögliche Sprünge und Stunts haben bewiesen, dass es doch geht. Bis zum Punkt, wo die Athleten glauben, dass alles möglich ist. Mit dieser Einstellung haben sie das Limit immer weiter nach oben verschoben. Aber sie riskieren auch viel. Denn wenn es nicht läuft, können Stürze verheerende Verletzungen oder sogar der Tod bedeuten.

Dies heißt nicht, dass du dein Leben riskieren musst, um Flow zu erleben. Und doch können wir von diesen Sportlern lernen und Flow besser verstehen.

Viele Wege führen zum Flow

Bleiben wir für einen kurzen Moment noch beim Sport. Gerade Ausdauersportler kennen Flow in einer schwächeren Form. Bei Läufern nennt man es „Runner’s High“, wenn du irgendwann den Punkt der Erschöpfung überwunden hast und es einfach läuft. Dasselbe Phänomen findet man bei Sportarten, die über lange Strecken gehen und wiederholende Bewegungsabläufe haben: wie beim Radfahren, Schwimmen, Rudern oder Wandern.

Wenn du den Punkt überwunden hast, laufen alle Bewegungen automatisch ab. Du fühlst dich leicht und frei. Du bist präsent im Moment und denkst nicht nach. Die Zeit scheint zu fliegen und du mit ihr.

Bei anspruchsvollen Sportarten draußen in der Natur, wo sich ständig die Bedingungen ändern. Um bestehen zu können, musst du 100 Prozent bei der Sache sein. So ist das beim Skifahren, Surfen, Segeln, Wildwassersport, Klettern und Gleitschirmfliegen.

Wenn du mit einem Kajak einen Wildwasserfluss hinunterfährst, verschmelzen deine Wahrnehmung und Tun zu einem. Dann bist du im wahrsten Sinne des Wortes im Fluss. Du spürst die Strömung am ganzen Körper und siehst die nächste Stromschnelle kommen. Instinktiv verlagertes du dein Gewicht und stemmst dich mit deinem Paddel gegen die Kraft des Wassers. Falls du eine falsche Entscheidung triffst, merkst du es direkt und kannst hoffentlich noch gegenlenken. Ansonsten lernst du schnell aus deinen Fehlern.

Menschen in Ausnahmesituationen sind im Flow, wo es um Leben und Tod geht. Ein Chirurg kann es sich nicht erlauben, nicht bei der Sache zu sein oder nicht sein bestes zu geben, denn das Leben seines Patienten steht auf dem Spiel. Ein Rettungssanitäre denkt nicht darüber nach, was er zum Abendessen isst, während er eine Person wiederbelebt.

Wer hat nicht von diesen Geschichten gehört, wo eine Mutter ihr Kind mit übermenschlichen Kräften aus einer lebensgefährlichen Situation gerettet hat. Wenn es um alles oder nichts geht, vollbringst du schier unmögliches.

graffiti

Künstler und Kreative, wie Schriftsteller, Maler, Musiker, Tänzer oder Designer, kommen durch Musik und kreative Arbeit in einen Flowzustand.

Wie beim improvisierten Jazz ergibt ein Ton den nächsten. Die Musiker fühlen den Jazz und nutzen die Musik um sich auszudrücken. Sie verschmelzen ineinander und geben sich fortlaufend neue Impulse. So entsteht etwas vollkommen Neues, was es vorher so nicht gab.

Unternehmer, Wissenschaftler und Querdenker nutzen Flow um unternehmerische Entscheidungen zu treffen, gewohnte Denkweisen zu überwinden und Durchbrüche in der Wissenschaft zu erzielen.

Albert Einstein war ein berühmter Flowseeker. Vor allem war es die Musik, in die er sich verlieren konnte, wenn er mit der Arbeit nicht weiter kam. Sie war eine stetige Quelle der Inspiration und ein Zugang zu seiner Intuition.

Imagination is more important than knowledge – Albert Einstein

Kinder und Gamer schaffen es spielerisch sich in Flow zu versetzen. Computerspiele sind sogar darauf ausgelegt, dass man in sie aufgesaugt wird und sich in ihnen verliert. Was einer der Gründe ist, warum du so schnell süchtig nach ihnen wirst.

Das sollte als kleiner Einblick reichen, um zu verstehen, wie vielfältig Flow ist und wie er alles genutzt werden kann.

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Wie kommst du in einen Flowzustand?

Es gibt mehrere äußere und innere Auslöser, die dich in Flow versetzen. Je mehr von ihnen gegeben sind, desto intensiver ist das Erlebnis. Denn Flow existiert in unterschiedlicher Ausprägung. Bei Extremsportarten wird man schnell in Macro-Flow katapultiert, weil viel auf dem Spiel steht. Als Läufer erlebst du dagegen den abgeschwächten Micro-Flow.

(In den kommenden Monaten werden ich einzelne Artikel zu den verschiedenen Flow-Auslösern schreiben und sie hier verlinken. Jetzt schon genauer darauf einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.)

Äußere Auslöser für Flow:

Innere Auslöser für Flow:

  • Klare Ziele mit einzelnen Arbeitsschritten
  • Direktes Feedback, um Performance zu verbessern
  • „Flow-Kanal“ – zwischen deinen Fähigkeiten und einer Herausforderung
  • Kreativität: Muster erkennen, Innovation, Problemlösung

Soziale Auslöser für Flow:

  • Kontrollgefühl: Autonomie, Kompetenz
  • Gruppen-Flow: Gemeinsamkeit, Verbundenheit
  • Gut zuhören – präsent in Unterhaltung sein
  • Momentum: immer ja sagen
  • Helfer-Flow – für Andere da sein
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Der Flow-Kreislauf

Beim Flow handelt es sich um einen komplexen und flüchtigen Geisteszustand, der aus einem vierstufigen Kreislauf besteht. In der ersten Phase „Struggle“ (Anstrengung) bereiten wir unseren Geist vor und überladen ihn mit Informationen. Als nächstes heißt es loslassen und an was anderes denken.

Bis der Geistesblitz kommt und der Flow-Zustand einsetzt. Das Gehirn leistet Höchstleistungen im Macro-Flow, den es nicht lange aufrecht erhalten kann. So durchlaufen wir den Flow-Kreislauf, der mit einer Erholungsphase und der Verarbeitung der neuen Erkenntnisse endet.

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Die Flow-Pyramide

Dies ist der erste Versuch, all die unterschiedlichen Faktoren und Auslöser, in einem Schema darzustellen. Im Laufe der Zeit wird sich die Skizze sicher noch verändern, desto besser ich Flow verstehe. Eins ist mir jetzt schon klar geworden. Flow ist ein sehr komplexes System, was sich nur schwer greifen lässt. Es gibt keine Methode, keine Pille oder keinen Schalter, den du einfach umlegen kannst, um in Flow zu kommen.

Um mehr Flow im Leben zu haben, musst du deinen Lebens- und Arbeitsstil ändern und deine Hausaufgaben machen. An dir arbeiten und dich besser kennenlernen, um genau zu wissen, wo deine Fähigkeiten und Grenzen liegen. Deinen Körper und Geist trainieren. Deine Wahrnehmung verfeinern und lernen im Jetzt zu sein. Routinen und Strukturen in dein Leben integrieren, um deine Disziplin und deinen Fokus zu stärken. Dir Wissen aneignen, um die Mechanismen von Flow zu verstehen, um sie gezielt einsetzen zu können.

Ich bin bereit, bist du es auch? Denn das hört sich nach ganz schön viel Arbeit an, aber auch Spaß. Für jeden sieht der Weg anders aus. Da wir alle einzigartig sind und jeder einen anderen Ausgangspunkt hat. So bleibt uns nur übrig, die Dinge auszuprobieren und zu testen, was funktioniert und was nicht.

Lass uns anfangen!

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